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02.06.2007 FFA NEWS TALENTS - AUSTRIA

Datum 04.06.07      Autor   bone
(Foto: Christian "NIXON" Haider)

Sieben Kämpfe.
Sechs TKOs.
Ein Abbruch vom Ringarzt wegen einer Cutverletzung.

Bei den FFA New Talents in Wien ging es hart zur Sache. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, war die Veranstaltung ein voller Erfolg. In ihr verkörperte sich eindrucksvoll der Beweis, wie sich ein entspanntes, lockeres Klima, das die Kämpfer und Teams untereinander pflegten, mit zähen und unerbittlichen Kämpfen vereinen lässt. Was wir alle längst schon wissen, aber nur allzu leicht vergessen, wurde uns wieder einmal vor Augen geführt: Auch wenn bei MMA Kämpfer gegen Kämpfer antritt, Team gegen Team – es ist kein Krieg, der geführt wird. Es ist Sport. Ein Sport, der alle, die daran teilhaben, alle, die mit Hingabe dabei sind, ein Stück weit verbindet.

Die große Gemeinsamkeit zwischen allen Sportlern und Teams überwiegt die Unterschiede bei Weitem. Und alle Grabenkämpfe sind letztlich nur Illusion. Der Eine mag sich dessen mehr bewusst sein, der Andere weniger, aber es ist eine Tatsache, an der nicht zu rütteln ist.

An diesem bewölkten Nachmittag in Wien, in den Räumlichkeiten des Fox Gyms, waren die New Talents am Plan. Keine Gage, kein Prestige – alles, was geboten wurde, war die Möglichkeit, zu kämpfen. Und das war alles, was man brauchte.

Sechs Teams trafen sich und aufeinander. Vierzehn neue Talente, allesamt entschlossen, die Sicherheit des Trainings hinter sich zu lassen, die Schwelle der Vorhersehbarkeit zu übertreten und erste Kampferfahrung zu sammeln. Kurz vor dreizehn Uhr, als es langsam losgehen sollte, scharte sich ein beachtlicher Menschenhaufen auf den blauen Matten. Eine durcheinandergemischte Schar, in der sich Teamzugehörigkeiten lediglich erahnen ließen. Die Fenster standen offen, um die Raumluft erträglich zu halten. Nervöse Anspannung mischte sich mit Witzelei, bleiche Schweigsamkeit mit überschwänglichen Worttiraden. Alle warteten, bis es endlich losging, und jeder versuchte auf seine Art, die Zeit zu überbrücken. Nach dem Wiegen, das rasch vonstatten ging, kam die ausführliche Regelbesprechung an die Reihe. Und nachdem die letzten Unklarheiten aus dem Weg geräumt, die letzten fragenden Hände gesunken waren, begann der eigentliche Teil des Nachmittags.
 

Im ersten Kampf, bis 65 Kilo, standen sich Gabriel Krajanek aus dem Fox Gym und Ruslan Vladovski vom Brazilian Combat Team gegenüber. Obwohl beide ihr Debüt lieferten, wirkten sie außerordentlich beherrscht und fokussiert. Der Kampfrichter gab den Ring frei. Nach kurzem Abtasten brachte Gabriel seinen Gegner mit einem wuchtigen Wurf zu Boden, wobei er sich einen, vorsichtig gesagt, unüblichen Würgegriff einfing, den Schwitzkasten. Geduldig und im Wissen, dass diese Technik kaum in der Lage sein wird, ihn zur Aufgabe zu zwingen, sicherte er seine Position und harrte aus. Nach einer Minute verließ seinen Gegner die Kraft, Gabriel befreite seinen Kopf und ließ seinen Gegner erste Schläge schmecken. Ruslan nahm Gabriel in die Guard, schließlich in die Rubberguard, aber auf Dauer hatte er seinem Gegner am Boden nichts entgegenzusetzen. Gabriel ließ keinen Zweifel darüber aufkommen, wer die technische Versiertheit auf seiner Seite hatte. Er befreite sich aus der Rubberguard und wechselte mit geschickter Positionsarbeit in die Sidemount. Mit geradezu professioneller Besonnenheit arbeitete er sich in die Mount vor. Von dort aus ließ er Schläge auf seinen Gegner niederhageln, und als dieser sich auf den Bauch drehte, die eintrommelnden Schläge aber nicht nachließen, sprang der Ringrichter dazwischen und beendete den Kampf nach 3:15 in der ersten Runde. 

Ein weiterer Fight, bis 75 Kilo, fand zwischen Wilhelm Ott von Thaikibo und Andreas Peuker aus dem Fox Gym statt. Die erste Runde war eindeutig die Runde der verpassten Chancen. Gleich nach dem Gong ging der Kampf zu Boden, wo sich ein Feuerwerk aus Positionswechseln, Schlägen und Submission – Versuchen entfesselte. Doch trotz der vielen Möglichkeiten, die sich jedem der Beiden im Eifer des Gefechts bot - gestreckte Arme, ungeschützte Hälse, instabile Positionierung – vermochte keiner einen Vorteil daraus zu ziehen. Alles in allem würde ich die erste Runde aber Andreas zusprechen, der insgesamt „stabilere“ Arbeit geleistet hat. Der Gong trennte die Beiden, nach einer Minute kamen sie erneut in der Mitte des Rings zusammen.Beide waren von der aufreibenden ersten Runde angegriffen, doch schien Andreas in besserer Verfassung. Wilhelm blutete aus der Nase und atmete schwer. Seine Kräfte schienen deutlich nachgelassen zu haben. Und sein schlechter Zustand mochte auch der Grund für seine nachfolgende Aktion gewesen sein: Er geht zwei Schritt vor, bietet Andreas ein Shakehands an, und kaum geht dieser darauf ein, stürmt Wilhelm mit hämmernden Fäusten vor. Er vermag keinen schweren Treffer anzubringen, aber die Überraschung wirft Andreas weit genug aus dem Konzept, um ihn zurücktaumeln zu lassen und zu einem leichten Opfer für einen Takedown zu machen, den Wilhelm sich holt. Er landet in der Mount, schlägt einige Male, der Ringrichter bricht nach 45 Sekunden in der zweiten Runde ab. Von einer Unsportlichkeit zum Sieg geführt, die weder bei den New Talents noch auf sonst einer Veranstaltung irgendwas verloren hat. Dies schien mir auch der einzige Zeitpunkt an diesem Nachmittag, an dem sich die Stimmung zum Negativen verzerrte – das Publikum, also restliche Kämpfer und Betreuer, quittierten diese Aktion mit lauten Buhrufen und Unmutsäußerungen, und nicht nur einer erbot sich angesichts dieser erschlichenen Sieges, gleich als Nächster mit ihm in den Ring zu steigen. Aber bald schon flauten die Wogen ab. Schließlich ging es um die Kämpfe, weitere standen am Programm, und die wollte man sich nicht vermiesen lassen. Und wer sich nun bemüßigt fühlt, zu sagen: „Siehst du! Also doch nichts mit Gemeinsamkeit und Verbindung und deinem Hippie – Gefasel von der Einleitung!“, dem halte ich entgegen, dass es gerade solche Ausnahmen sind, welche die Regel bestätigen. 

In einem weiteren Kampf traten Markus da Gallo, ebenso vom Fox Gym, und Philippe Heglin gegeneinander an. Beide voll austrainiert, und hätte man nicht gewusst, dass sie hier ihre Erstkämpfe liefern – ihren Körpern und Blicken und Gesten nach hätte es ebenso ihr Zehnter sein können. Beide starteten schnell in den Kampf, schossen aufeinander zu, stoben wieder auseinander, sich mit Jabs abtastend, als könnte es keiner erwarten, mit einer Schlagkombination zu explodieren. Markus knallte seinem Gegner einen Lowkick gegen den Oberschenkel. Das Klatschen dürfte durch ganz Wien zu hören gewesen sein. Philippe unbeeindruckt. Dann entlud sich die Spannung, gipfelte gleichzeitig – Markus schoss mit einer Links – Rechts – Kombination in seinen Gegner hinein, und als dieser verteidigte, nutzte Markus die Gelegenheit und ging in den Clinch. Bodylock. Takedown. Bilderbuch. Er sicherte die Position und bearbeitete seinen Gegner mit hart geschlagenen Fäusten, die wie ein Meteoritenschauer einschlugen. Der Ringrichter sprang dazwischen. 0:45 in der ersten Runde. Doch obwohl der Kampf keineswegs lange dauerte und auch keine Vielzahl an Techniken offenbarte, sprühte er von der ersten bis zur letzten Sekunde vor Energie. Diese unvergleichbare Energie, die einem den Mund offen stehen lässt. Und dies war nur die Spitze des Eisbergs.

Jeder Kampf hätte eine ausführliche Beschreibung verdient, jeder wäre es wert gewesen. David Rauch (USH YongHo) gegen Islam Schischbulatov (Brazilian Combat Team) zum Beispiel, eine ausdauernde, unbarmherzig geführte Schlacht, in der sich die Beiden nicht das Geringste schenkten, bis Islam den Ringrichter nach 4:45 durch heftiges Ground and Pound zum Einschreiten zwang und den Kampf für sich entschied.

Aliew Hamzat (Brazilian Combat Team) gegen Johannes Lerch (Fox Gym) – ein regelrechter Brawl, ein Wirbelsturm aus Fäusten, der in einer Cutverletzung Lerchs mündete. Der Ringarzt gab den Kampf nach seiner Untersuchung der Wunde nicht wieder frei - die Gesundheit der Kämpfer geht vor. Aber das mindert nicht im Mindesten den Respekt, den die beiden für ihren kurzen Auftritt verdienen.

Distorewitch (Thaikibo) gegen Khamazalatov (Brazilian Combat Team) – ein Spektakel, das niemanden, wirklich niemanden in der Zuschauermenge kalt ließ. Da verwette ich mein letztes Hemd drauf.

Und schließlich Asludin Hutschiev gegen D. Barajamaj – eine Schlacht bis 95kg, in der bis zum TKO - Ende in der zweiten Runde wohl an die 50 Kniestöße abgefeuert wurden. 

Im Fortschreiten des Nachmittags verzogen vor den Fenstern die Wolken. Auf den Matten mehrten sich die gelösten Gesichter. Viele strahlende Gewinner, einige verbissene Verlierer, aber auch viele, die keinen Erfolg verbuchen konnten, sich aber dennoch nicht grämten, weil sie die Erfahrung, die sie gewonnen hatten, gebührlich zu schätzen wussten.
Es war ein Event, bei dem man die Makellosigkeit der Techniken ruhig einmal in Frage stellen konnte, ebenso wie man bei manchem Kampf die Strategie bemängeln konnte, oder die Umsichtigkeit, wenn einem daran gelegen war.

Aber eines ist sicher: Alle, die an diesem Nachmittag hier waren, wollten kämpfen. Alle hatten das Herz dazu, und niemand hat sich gescheut, dies unter Beweis zu stellen.

Ergebnisse FFA New Talents / 2.6.2007-06-02

 1. Kampf – 65 kgVLADOVSKI Ruslan (Brazilian Combat Team)KRAJANEK Gabriel (Fox Gym) – SiegerRunde 1 / 3:15 / TKO (Strikes) 

2. Kampf – 70 kgRAUCH David (USH YongHo)SCHISCHBULATOV Islam (Brazilian Combat Team) – SiegerRunde 1 / 4:45 / TKO 

3. Kampf – 75 kgOTT Wilhelm (Thaikibo) - SiegerPEUKER Andreas (Fox Gym)Runde 2 / 0:45 / TKO 

4. Kampf – 80 kgDISTOREWITCH (Thaikibo)KHAMAZALATOV (Brazilian Combat Team) – SiegerRunde 2 / 4:00 / TKO (tapped through strikes) 

5. Kampf – 80 kgALIEW Hamzat (Brazilian Combat Team)LERCH Johannes (Fox Gym)Runde 1 / 3:00 / Abbruch vom Ringarzt wegen Cut unter dem Auge 

6. Kampf – 90 kgHEGLIN Philippe (Freelancer Augsburg)DI GALLO Markus (Fox Gym) – SiegerRunde 1 / 0:45 / TKO 

7. Kampf – 95 kgBARAJAMAJ D. (Thaikibo)HUTSCHIEV Asludin (Citythong) - SiegerRunde 2 / 1:55 / TKO (Guillotine)



(Text: Philipp Hager / Foto: Christian "NIXON" Haider)


























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