Ettl Bro’s Cage Fight Series II
| Datum 23.07.07 Autor bone | ||||||||||||
Samstag. Das dritte Juliwochenende. Eishalle Liebenau in Graz. Wo in der Eishockeysaison eine spiegelglatte Fläche den Boden überzieht, wo die Kufen der Grazer 99ers durch das Eis schneiden, brannte die Luft. Die Ettl Bro’s hatten erneut zu den Cage Fight Series geladen. Und schon bei der anfänglichen Vorstellung der Kämpfer wurde das Motto deutlich, mit dem hier zu Werke gegangen wurde: Nicht kleckern, sondern klotzen. Unter brachialer Soundbegleitung stoben Funken auf, pyrotechnischen Spielereien, ein Vorhang fiel – und da standen sie, die achtundzwanzig Kämpfer des Abends. Einer nach dem anderen wurde aufgerufen und trat den Marsch über den Steg an, in den Cage, um sich dem Publikum zu präsentieren. Eine Unzahl an Scheinwerfern säumte ihren Weg, die blinkten, kreiselten, wirbelten. Eine meisterhafte Lichttechnik, gegen die der Kampfstern Galactica wie eine Glühwürmchenparty wirkt. Nach einer Musikeinlage einheimischer Künstler nahmen die Kämpfe ihren Anfang. Als Aufwärmrunde stand ein Thaiboxkampf am Programm. Arslanbek Baybatirov trat gegen Christoph Kohl vom Fightclub Graz an. Der Kampf war auf knackige drei mal zwei Minuten angesetzt. Ein ungewöhnlich enger Rahmen, der sich jedoch als perfekte Einfassung herausstellte: In diesen kurzen Runden konnten die Kämpfer alles geben, konnten abseits strategischer und konditioneller Erwägungen ihr Herz und ihre Kraft und ihre Technik unter Beweis stellen. Und das taten sie. Nach mehreren harten Schlagabtauschen, Kniestößen und Niederschlägen, nach drei schnellen und hart umkämpften Runden, die beide Fighter gezeichnet verließen, entschied der Ringrichter zu Gunsten von Arslanbek Baybatirov. Eine knappe, aber durchaus gerechtfertigte Entscheidung.
Nach dieser Einstimmung war das Publikum warmgelaufen. Tausende tobten auf den Rängen der Eishalle, Sprechchöre schallten durch die elektrisierte Luft. Im April hatte das Achtelfinale des 10.000 Euro – Open Weight Turniers stattgefunden, sechszehn Kämpfer hatten um den Einzug in die nächste Runde gerungen, nun stand das Viertelfinale vor seiner Austragung. Der fachkundige Ringsprecher gab noch einmal die Regeln für den Turniermodus bekannt, und da hieß es aufhorchen. Die ersten beiden Runden dauern je fünf Minuten, mit einer Minute Pause. Die dritte Runde aber hat keine Zeitbegrenzung. Sie läuft solange, bis eine Entscheidung stattfindet. Eine weitere Besonderheit, und, wenn man es recht bedenkt, eine wohlüberlegte und wirksame. Dies scheint mir auch ein typisches Merkmal der Cage – Fight Series zu sein, und wahrscheinlich einer der Hauptgründe, warum sie sowohl beim Publikum als auch bei der Presse, sowohl bei Laien als auch bei Kennern einen derart guten Anklang findet: Der Ablauf ist mit vielen solcher Besonderheiten gespickt, kleine Abweichungen von dem, was man als übliche Vorgehensweise bei Kampfsport – Events kennt. Aber in jeder dieser Abweichungen merkt man, dass hier Leute mit Erfahrung am Werke sind, denn diese Abweichungen sind keine Schrullen oder Kuriositäten, nein, sie glätten den Ablauf, wirken wie eine Feineinstellung. Als würden sie helfen, den Radiosender besonders klar einzustellen, während es bei den meisten Anderen hier und da knackst und rauscht.
Im Viertelfinale kämpften: Harald Fischer vs. Ismet Mandara (Sub/Choke in Runde 1) Attila Ucar vs. Thomas Krapf (Sub/Armbar in Runde 2) Dritan Barjamaj vs. Martin Haag (Abbruch wg. Cut nach Runde 1) David Marcina vs. Nandor Guelmino (Abbruch wg. Cut nach Runde 2) Sascha Weinpolter vs Gunnar Herms (TKO in Runde 1) In eine doppelten Überraschung mussten sich die bislang als Favoriten geführten Kämpfer des Fox Gyms geschlagen geben. Thomas Krapf kann seinen Kampf bis zum Ende der zweiten Runde dominieren. Bei offenen Schlagabtauschen sucht er den Clinch, bringt Ucar wiederholt zu Boden und kontrolliert dort in dominanten Positionen, ohne allerdings viel Schaden anrichten zu können. Am Ende der zweiten Runde dann plötzlich ein Sweep von Ucar und ein ungeschützter Arm von Krapf. Ucar sah, nahm und siegte. Auch Sascha Weinpolter konnte eine kleine Überraschung landen. Durch den massiven Gewichtsvorteil von 35 kg konnte Gunnar „Der Berliner Bär“ Herms, wenn auch sein Ruf nicht unbedingt von technischer Raffinesse erzählt, in die Favoritenrolle rutschen. Doch schon kurz nach Rundenbeginn schlägt der Wind um. Weinpolter startet aggressiv, geht mit schneller Beinarbeit in seinen Gegner hinein, schlägt zwei, drei rasche Geraden, und geht sofort wieder hinaus. Herms stürmische Angriffe kontert er geschickt und überlegen. Immer wieder landet er schwere Wirkungstreffer in das schon nach kurzem blutende Gesicht von Herms, seine Überlegenheit zeigt sich immer deutlicher, bis sich der Ringrichter gegen Ende der ersten Runde gezwungen sieht, den Kampf abzubrechen. Nach einer zwanzigminütigen Pause, in der das Publikum Zeit bekam, sich abzukühlen und Luft zu schöpfen, tief durchzuatmen nach Wechselduschen zwischen gespannter Erstarrung und frenetischen Beifalls, nach zwanzig Minuten, in denen man begeisterte Stimmen und kritische Beurteilungen der Kampfverläufe zu hören bekam, ging es weiter. Satte vierzehn Kämpfe standen auf der Card, und acht davon sollten noch kommen. Aliev Chamsat vs. Töth Csaba (TKO in Runde 1) Wolfgang Bravc vs. Michael Rüdiger (Sub/Choke in Runde 1) Romoulds Kargulis vs. Agim Abdullahu (Disqualifikation wg. Earpoke)
Besondere Erwähnung sollte auch Michael Rüdiger finden. Nach Ausfall seines Trainingspartners sprang er trotz siebenmonatiger Trainingspause kurzfristig ein. Ihm gegenüber stand ein klingenscharfer und gieriger Wolfgang Bravc. Aber Rüdiger ließ sich nicht beeindrucken, geht mit Schlägen vorwärts und holt sich den Takedown. Und als er am Boden ausholt und seine Fäuste in den Körper seines Gegners schmettern, scheint es für einen Moment, als wäre der Kampf gelaufen. Doch Bravc kämpft sich hoch, bringt Rüdiger nach kurzem Abtasten zu Boden, kontrolliert die Position und beendet den Kampf schließlich mit einem Würgegriff. Gratulation an beide Kämpfer, sowohl an Bravc, seine Besonnenheit und seinen Willen, wie auch an Rüdiger, dessen Instinkt und natürliches Körpergefühl ihm den richtigen Weg wiesen; woran es mangelte, waren Vorbereitung und Erfahrung, und diese beiden Punkte fielen schließlich so schwer ins Gewicht, dass sie die Waage zu einen Ungunsten haben kippen lassen. Nach diesen Kämpfen wurde erneut eine Pause ausgerufen. Die Hauptkämpfe sollten folgen. Beim Publikum, das sich zerstreute, abkühlte, das plauderte und Getränke erstand, lag ein Fieber in der Luft. Schon viele Grazer Kämpfer hatten heute ihr Bestes gegeben, aber die großen Lokalmatadore warteten noch auf ihren Einmarsch in den Käfig.
Thomas Fötsch vs. Martinish Egle (Sub/Choke in Runde 1) Predrag Krsikapa vs. Wadim Gridjaev (KO in Runde 2) Und wer vorher noch zweifelte und infrage stellte, nach den Kämpfen war klar, warum gerade diese als Hauptkämpfe angesetzt waren. Jeder Einzelne davon war eine Schlacht, jeder auf seine Art. Im Thaiboxkampf häuften sich Niederschläge wie Hagelkörner, Dutzende Knie und Fäuste schlugen ein, beide gerieten mehrmals ins Taumeln, und dennoch brach bei keinem der Wille. Obwohl deutlich gezeichnet führten sie den Kampf mit bitterer Entschlossenheit zu seinem Ende. Insgesamt hatte der Ungar mehr Schaden verursacht, weshalb – zum Unmut des Grazer Publikums doch aus professioneller Sicht völlig zurecht –, seine Hand gehoben wurde. Der letzte Kampf war zugleich der Kampf des Abends. Predrag Krsikapa, einer der Mitveranstalter der Cage – Fight Series, gegen den 1,96m großen und 106 kg schweren Ukrainer, Wadim Gridjaev, der seine letzten zwölf Kämpfe durch KO für sich entscheiden konnte. Als Krsikapa den Steg zum Käfig entlangschreitet, meint man kaum, dass er diesem Hünen gewachsen sein kann. Er lächelt, grüßt umstehende Bekannte, gleichsam nett und höflich, und wüsste man es nicht besser, man könnte sogar meinen, ein wenig Scheu wahrzunehmen. Ein würdiges Ende der Cage – Fight Series 2, deren Komposition aus Fachkundigkeit, Professionalität und Leidenschaft sich wie schon beim Vorläufer als großer Erfolg erwies. Ein Erfolg sowohl für die Veranstalter, wie auch für die Fans. Denn dieses Event hat nicht nur der Szene, sondern dem Sport allgemein einen großen Dienst erwiesen. Es hat mit einem großen, mutigen Schritt eine weitere Stufe erklommen, um MMA in Europa als angesehenen Sport zu etablieren. |
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